Bautagebuch: Die Gärtnerei aus Rechtenbach

Historische Aufnahme der Gärtnerei aus Rechtenbach

Historische Fachwerkbauten können im Freilichtmuseum Hessenpark seit über 40 Jahren bewundert werden. Mehr als 100 dörfliche Gebäude aus natürlichen Baustoffen wie Holz, Stein und Lehm bilden das Fundament des Museums. Nun wird der Hessenpark um ein Gebäude aus Stahl und Glas reicher: Nach rund einjähriger Planungs- und Vorbereitungszeit beginnt in Kürze in der Baugruppe Mittelhessen der Aufbau der Gärtnerei aus Hüttenberg-Rechtenbach. In unserem Bautagebuch berichten wir einmal im Monat über die Fortschritte auf der Baustelle.

Auf der Baustelle der Gärtnerei aus Rechtenbach steht der fertig montierte Kamin20. Dezember: Der Kamin steht
 
Trotz widriger Wetterbedingungen konnte der Kamin des Gewächshauses inzwischen erfolgreich auf der dafür betonierten Bodenplatte aufgestellt werden. Dafür wurde das Ziegelsteinbauwerk zuvor in Rechtenbach in vier Stücke zersägt, die anschließend zur Sicherung eingeschalt und per Kran verladen wurden. Im Hessenpark angekommen, mussten die Teilstücke an der entsprechenden Stelle wieder zusammengesetzt werden, und zwar so, dass alles an seinem ursprünglichen Platz landete. Das war Millimeterarbeit, die sich aber gelohnt hat: Die drei neuen Mörtelfugen sind nur bei genauem Hinsehen zu erkennen und es sieht so aus, als hätte der Kamin die letzten fünfzig Jahre an dieser Stelle gestanden.
Da die Heizung seinerzeit als Schwerkraftheizung ohne Umwälzpumpen betrieben wurde, saß der Heizkessel mit dem Kamin auf einer Bodenplatte, die sich rund 80 Zentimeter unter dem Bodenniveau des Gewächshauses befand. Dort, an der tiefsten Stelle des Heizwasserkreislaufes, sammelte sich das erkaltete Wasser aus den Rücklaufrohren, wurde im Kokskessel aufgeheizt und wanderte dann über die oberen Heizrohre durch das Rohrsystem der Gewächshäuser. Durch diesen physikalischen Kniff konnte das Heizsystem völlig ohne Elektrizität betrieben werden.

21. November: Die Gefahr von Asbest im Baustoff konnte ausgeschlossen werden
Bei dem Versetzen und Wiedererrichten historischer Gebäude des 20. Jahrhunderts, insbesondere ab den 1950er-Jahren, gibt es ein ernstzunehmendes Problem: Die zeitgenössischen Bausubstanzen können Inhaltsstoffe wie etwa Asbest enthalten, die damals nicht als gesundheitsgefährdend bekannt waren. Daher muss heute beim Wiederaufbau intensiv geprüft werden, was man erneut verwenden kann und was definitiv nicht, um Besucher und Museumsmitarbeiter nicht zu gefährden.
Die Stecksystem-Einzelteile der Frühbeetkästen-Umrandungen, die zusammen mit den Gewächshäusern der Gärtnerei abgebaut wurden, stammen von 1956/57. Aufgrund der Herstellungs- und Vertriebszeit sowie der verdächtigen Materialbezeichnung „Zementholz“ war eine Überprüfung der Bauteile aus Sicherheitsgründen unbedingt notwendig. Die Asbestanalyse führte unser Restaurator Matthias Stappel in der museumseigenen Restaurierungswerkstatt durch. Er nahm eine kleine Probe von der Randeinfassung aus Beton und löste diese mit konzentrierter Salzsäure auf, sodass die löslichen Bestandteile weggespült wurden. Bei der mikroskopischen Untersuchung der übriggebliebenen Silikate konnten keine Asbestfasern festgestellt werden. Bei der Vergleichsprobe eines Eternit-Daches waren die Asbestfasern nach der Säurebehandlung deutlich zu sehen. Bei den Frühbeetkästen-Umrandungen wird es sich, nun mit Sicherheit bestimmt, um normalen und ungefährlichen Betonguss handeln und alle Frühbeete können wie geplant errichtet werden.

20. September: Es wird Zeit für den Kamin
Nachdem wir die Fundamente für den Heizungs- und Kaminbereich fertiggestellt haben, kann der Kamin aus Rechtenbach nun abgebaut und im Hessenpark aufgestellt werden. Um das Original möglichst gut zu erhalten, zersägen wir den Kamin vor Ort in zwei bis drei Großteile, die wir dann im Museum wieder zusammenfügen. Parallel dazu werden Schächte für die Streifenfundamente ausgehoben, auf denen die Stahlkonstruktion später aufgesetzt wird. Auf der Baustelle wird also noch einmal eine Menge Erde bewegt und einiges an Beton gegossen. An der Stahlkonstruktion wird ebenfalls gearbeitet. Einige Stützen sind an den Fußpunkten stark verrostet. Dort werden neue stabile Fußplatten angeschweißt. Anschließend bekommen die Binder einen Rostschutzanstrich. Alle anderen dünneren Stahlteile sind verzinkt und brauchen nur an wenigen Stellen eine neue Deckschicht. Das freut unseren Maler, denn es gibt natürlich auch noch andere Baustellen im Hessenpark, um die er sich kümmern muss.

Bagger beim Graben des Fundaments
23. August: Die Fundamentarbeiten dauern an

Die Baggerarbeiten für die Fundamentierung dauern weiterhin an. Die enormen Niederschläge der jüngsten Unwetter zwangen uns zu einer Baggerpause. Zwischenzeitlich wurden weitere Gewächshausteile aus Rechtenbach ins Freilichtmuseum transportiert. Diese stammen von einem dritten, baugleichen Gewächshaus der Gärtnerei Weidmann. Dieses Gebäude soll zwar nicht bei uns aufgebaut werden, die Metallteile eignen sich aber gut als „Ersatzteillager“. Bauteile oder Einbauten, die in den aufzubauenden Gewächshäusern fehlen oder schadhaft sind, können so durch baugleiche Teile aus dem Nachbargewächshaus ersetzt werden.

17. Juli: Die Arbeiten am Fundament beginnen

Nachdem bis zum 8. Juli alle verfügbaren Mitarbeiter und Maschinen des Bauteams für die Fertigstellung des Trimm-dich-Pfads eingespannt waren, konnten anschließend die Fundamentierungsarbeiten für die Gewächshäuser beginnen. Im ersten Abschnitt wurde die Baugrube für die Fundamente und die Bodenplatte des Heizungsbereiches ausgehoben. Da das Gewächshaus mit einer Schwerkraftheizung beheizt wurde, musste der Heizkessel so tief stehen, dass der Wasserkreislauf ohne Pumpen allein durch die Temperaturunterschiede des Vor- und Rücklaufwassers zirkulierte. Deshalb lag der Boden für den Heizungsbereich etwa 80 cm tiefer. Auch das Fundament für den Kamin befindet sich in diesem Bereich. Sobald der Fundamentbeton ausgehärtet und tragfähig ist, kann der Kamin aus Hüttenberg transloziert werden. Die Stahlteile sind bereits alle abgebaut und zerlegt und größtenteils auch schon im Museum zwischengelagert. Hier beginnen jetzt die Sanierungsarbeiten. Es gibt alle Hände voll zu tun.

7. Juni: Pflanzen der Rosenwildlinge

Im Rahmen des Gärtnereiprojektes wurde kürzlich ein erstes Freilandbeet mit Rosenwildlingen bepflanzt. Die Wildlinge dienen als Veredlungsunterlage für die Edelsorten. Die kräftigeren Wurzeln versorgen später die Stängel und Blüten der Edelsorte optimal mit Wasser und Nährstoffen. So ein veredelter Rosenstock besteht also eigentlich aus zwei Pflanzenteilen, die zusammen gewachsen sind. Ganz ähnlich wird auch bei veredelten Apfelbäumen verfahren, die übrigens auch zu den Rosengewächsen (Rosaceae) zählen.
Bio-Rosenbauer Werner Ruf aus dem hessischen Rosendorf Steinfurth hat die Pflanzung der Wildlinge eigenhändig durchgeführt und wird das Beet auch weiterhin betreuen, um interessierten Hessenpark-Besuchern die Kultur von Edelrosen anschaulich zu vermitteln. Jetzt dürfen die Wildlinge aber erst einmal ordentlich wachsen, bevor man ihnen mit dem Okuliermesser zu Leibe rückt, um die Veredlung vorzunehmen.

18. Mai: Abbau am alten Standort abgeschlossen

Stroh zu Gold spinnen können auch die versiertesten Mitarbeiter des Hessenparks nicht, obwohl die Erhaltung alter handwerklicher Fertigkeiten zu den definierten Zielen des Museums gehört. Im Rahmen eines Gärtnereiprojekts wird es aber immerhin gelingen, die über 50 Jahre alten Metallteile einer ehemaligen mittelhessischen Gärtnerei wieder zum Leben zu erwecken. In den wiedererrichteten Gewächshäusern werden wir in den nächsten Jahren gezielt alte und vom Aussterben bedrohte Nutzpflanzen kultivieren. Die Gebäude haben wir inzwischen in Hüttenberg Rechtenbach abgebaut und in Einzelteilen ins Museum nach Neu-Anspach transportiert. Dass sich hinter dem Berg aus Metallstreben und Bindern die ausgeklügelte Rahmenkonstruktion eines Gewächshauses verbirgt, lässt sich auf den ersten Blick kaum erahnen. Die Spezialisten, die mit dem Aufbau betraut werden, haben hoffentlich in ihrer Kindheit ausgiebig an Metallbaukästen trainiert. Wenn alles nach Plan läuft, können Besucher den fertiggestellten Rohbau nach den Sommerferien im Museum bewundern.

11. April: Erster Spatenstich

Zum ersten Spatenstich am 11. April waren zahlreiche Gäste geladen. Mit von der Partie waren unter anderem Museumsleiter Jens Scheller, der Vorstandsvorsitzende des Förderkreises Jürgen Banzer, Norbert Breidenbach vom Vorstand der Mainova AG, der Erste Beigeordnete der Gemeinde Hüttenberg Rudi Weber und die ehemalige Besitzerfamilie Weidmann. Im Laufe des Monats Mai beginnen die Bauarbeiten. Jens Scheller freut sich auf den Zuwachs im Museumsgelände: „Historische Nutz- und Zierpflanzen werden – wie viele andere Bestandteile unseres kulturellen Erbes auch – im Hessenpark bewahrt und erlebbar gemacht. In der Gärtnerei aus Rechtenbach findet unsere Arbeit mit Kulturpflanzen endlich einen angemessenen Ort. Bald dürfen unsere Gäste Gewächshausluft schnuppern und sich auf eine neue wunderbare Attraktion freuen!“