Historische Hausfrau im Garten

Die historischen Gebäude im Museum vermitteln den Besuchern auf vielfältige Art und Weise einen Eindruck der Alltagskultur ihrer Bewohner. Die Gestaltung und Einrichtung der Räume in einem Wohnhaus erzählen uns etwas über das tägliche Leben der dargestellten Zeit. Dieses Bild wird noch lebendiger, wenn das Umfeld des Gebäudes der historischen Wirklichkeit möglichst genau entspricht. Hierbei spielen die Hausgärten eine besondere Rolle, denn sie liefern in der Art ihrer Bepflanzung und Nutzung viele Hinweise, die uns helfen, die Bedürfnisse, Wünsche und Nöte der Bewohner besser zu verstehen.

Leider wurden die Hausgärten im Vergleich zu den Gebäuden selten umfassend dokumentiert. Inzwischen widmen wir uns diesem Thema intensiv, um das kulturelle Erbe, das in den Pflanzen und Beeten der Hausgärten schlummert, am Leben zu erhalten. Dabei spielen die Pflanzenarten und Sorten eine wichtige Rolle. Einige der historisch genutzten Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht oder nur noch in Genbanken zu finden. Alte Obst- und Gemüsesorten oder Landsorten, die von den Bauern über Generationen erhalten und vermehrt wurden, sind verloren gegangen. Darum engagieren wir uns im Sinne des Archegedankens für die Erhaltung dieses Kulturguts, in dem wir nach verbliebenen alten Sorten und Arten suchen und diese gezielt anbauen und vermehren.

Die Pflanzenvielfalt der Hausgärten ist erstaunlich groß, da sie von Obstgehölzen über Heil- und Gewürzpflanzen bis hin zu Gemüsepflanzen, Salaten und einer bunten Palette von Zierpflanzen reicht. Auch wenn ein Nutzgarten am Haus in erster Linie der Verbesserung der Nahrungsversorgung der Bewohner diente, waren Blumenstauden und Ziergehölze ein ebenso wichtiger Bestandteil. Der Hausgarten war demnach ein wichtiges Stück Lebensqualität im harten Alltag auf dem Land.

Neben den historischen Hausgärten hat das Freilichtmuseum thematische Gärten angelegt, um einen Eindruck von der Vielfalt innerhalb verschiedener Pflanzengruppen vermitteln zu können. In der Baugruppe Mittelhessen gibt es einen Staudengarten mit Heilpflanzen (Nähe Dorfplatz, Haus aus Heskem) und einen Kräutergarten mit mehrjährigen Gewürzkräutern (Nähe Dorfplatz, Torbau aus Betziesdorf/Scheune aus Bracht). Dieser Kräutergarten wird durch zwei Birnbäume, die als Spalierbäume an der Scheunenwand gezogen werden, ergänzt. In dieser Form waren sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in den Hausgärten und vor allem an den der Dorfstraße zugewandten Hauswänden zu sehen. In der Baugruppe Nordhessen befindet sich ein Schaugarten mit verschiedenen Färberpflanzen. Im dazugehörigen Haus aus Ostheim übt unsere Blaufärberin ihr Handwerk aus, die Museumsbesuchern gerne die Nutzung der Färberpflanzen erläutert. Umrahmt wird der Garten von Wildobstbäumen und verschiedenen Quittensorten.