Hessenpark zu Zeiten des Coronavirus

27. März 2020: Seit fast zwei Wochen ist das Freilichtmuseum Hessenpark nun geschlossen. Letzten Dienstag kam auch der Marktplatz dazu. Die dort ansässigen Uhrmacher und Goldschmiede sind aber trotzdem weiterhin da.
Mit verändertem Service versuchen die Handwerksbetriebe ihren Betrieb aufrechtzuerhalten und bestmöglich erreichbar zu sein. Goldschmied Marcel Schweer, bietet Beratungen übers Telefon oder per E-Mail an. Sein Geschäft ist geschlossen, aber er und sein Team arbeiten weiter. „Wir nutzen nun die Zeit und fertigen neue Schmuckstücke an“, erzählt Schweer. Man kann sich also schon auf neue Hingucker freuen. Reparaturaufträge nimmt die Goldschmiede selbstverständlich ebenfalls entgegen. Die Kunden können ihre Reparaturarbeiten mit der Post einsenden. Nach Fertigstellung des Auftrages gelangt das Schmuckstück über den Postweg zurück zum Kunden oder Marcel Schweer liefert es persönlich aus.
Auch die Uhrmacher Joshua Becker und Oliver Hambel nehmen weiterhin sehr gerne Reparaturaufträge an. Da sie ausschließlich Großuhren reparieren, also alle Zeitmesser, die nicht am Körper getragen werden, bieten sie einen Abhol- und Lieferservice an.
Natürlich ist die vorübergehende Schließung des Museums auch an der Uhrmacherwerkstatt nicht spurlos vorübergegangen. „Seit zwei Wochen sind die Reparaturanfragen rückläufig“, berichtet Hambel. Die Jungunternehmer haben erst im August 2019 eröffnet und hofften nun auf einen starken Saisonstart. Aktuell haben sie noch Aufträge, aber allzu lange sollte der Ausnahmezustand nicht andauern. Denn auch das zweite Standbein, das Seminarangebot, ist den Uhrmachern weggebrochen.
Einige von Ihnen sind bestimmt momentan zuhause, ob freiwillig oder nicht. Das ist doch eine super Gelegenheit, um die Uhr, die schon seit einer Weile defekt in der Ecke steht, mal reparieren oder den Verschluss des Lieblingsarmbandes ausbessern zu lassen. Die Uhrmacherwerkstatt ist telefonisch unter 06081-958 3 464 erreichbar. Die Goldschmiede kann unter 0163-51 42 756 kontaktiert werden.

25. März 2020: Der Hessenpark hat in den nächsten Wochen noch geschlossen. Aber natürlich stellt sich schon jetzt die Frage, wie es anschließend mit den Großveranstaltungen aussieht. „Wir müssen es nächste Woche entscheiden“, sagt Thomas Södler, Projektleiter für Publikumsveranstaltungen des Gartenbauverbandes Baden-Württemberg-Hessen e.V., ob der Pflanzenmarkt im Freilichtmuseum Hessenpark stattfinden wird. Eigentlich haben sich über 120 Aussteller seit Monaten darauf vorbereitet, ihre Pflanzen vom 1. bis 3. Mai im Museumsgelände zu präsentieren. Auch bei vielen Besuchern steht der Termin schon lange im Kalender. In der Regel kommen rund 12.000 Pflanzenfans, um ihren Bedarf für die Sommergärten und -balkone zu decken.
Bis zum 19. April wurden alle Veranstaltungen abgesagt. Wie es danach weitergeht, weiß im Moment niemand so genau. „Bei uns wurden aber auch schon Veranstaltungen im Juni gecancelt“, erzählt Södler.
Sollte der Pflanzenmarkt aufgrund der aktuellen Lage nicht stattfinden können, steht auch ein Alternativtermin zur Diskussion. „Wir müssen jedoch bedenken, dass es sich um verderbliche Ware handelt, die nicht unbegrenzt vermarktet werden kann“, so Södler. Allzu flexibel in der Findung eines Ausweichtermins wäre man also nicht, zumal der Veranstaltungskalender im Hessenpark im Mai gut gefüllt ist. Museumsleiter Jens Scheller ist vorsichtig optimistisch: „Am 3. April werden wir, falls nötig, noch weitere Optionen diskutieren, in welcher Form der Pflanzenmarkt stattfinden kann.“
Die Situation für die Gartenbaubetriebe ist alles andere als einfach. „Die Frühjahrssaison ist gelaufen“, berichtet Södler. Mit dem Pflanzenmarkt im Hessenpark wird normalerweise die Sommersaison eingeläutet. Den Betrieben brechen aber nicht nur die Einnahmen aus den Veranstaltungen weg, auch die Belieferung diverser Kunden fällt derzeit aus. In Bayern zum Beispiel müssen Baumärkte geschlossen bleiben und nehmen keine Pflanzen mehr ab. „Wir kämpfen mit den Betrieben ums Überleben“, so bringt es Thomas Södler auf den Punkt.
Natürlich würden sich der Gartenbauverband und die beteiligten Betriebe darüber freuen, wenn der Pflanzenmarkt im Hessenpark stattfinden könnte. Sehr wahrscheinlich ist dies aber nicht. Ein kleiner Lichtblick in der aktuellen Situation ist laut Södler die Orientierung der Kunden in Richtung regionales Einkaufen: „Die Leute fragen nun öfter nach Pflanzen, die vor Ort produziert worden sind.“ Auf der Webseite des Gartenbauverbandes kann man sich Betriebe aus der Umgebung anzeigen lassen. Zwar sind die Reglungen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich, in Hessen dürfen aber Gärtnereien und Blumenmärkte derzeit noch öffnen: https://www.gvbwh.de/betriebe-finden.html
Und falls es mit dem Frühjahrspflanzenmarkt tatsächlich nichts wird, bleibt ja immer noch die Hoffnung auf den Markt im September!
 
 

20. März 2020: Die erste Woche im Ausnahmezustand ist geschafft. Eine ganze Reihe von Kollegen arbeitet inzwischen von zu Hause aus. Der Rest hält den gebotenen Abstand, wir versuchen alle gesund zu bleiben. Am nächsten Sonntag hätten wir eigentlich die Sonderausstellung „Herdanziehungskraft“ eröffnet. Auf diesen Termin haben sich viele von uns schon lange gefreut.
Die Wanderausstellung wurde Anfang Februar aus Berlin zum Freilichtmuseum Hessenpark transportiert. Seither haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Fachbereichen Wissenschaft und Handwerk die Exponate hier in der Stallscheune aus Asterode aufgebaut.
Die Sonderausstellung zeigt gesellschaftliche, kulturelle und technikhistorische Veränderungen. „Von der Feuerstelle bis zum Thermomix“, heißt es in der offiziellen Pressemeldung. Und tatsächlich ist beides in der Ausstellung zu finden. Ich durfte vorab einen kleinen Rundgang durch die Sonderausstellung machen und kann Euch sagen, es lohnt sich. Über dem Elektroherd „Backofix“ von 1950 sind die zehn Gebote für den Elektroherd zu finden. Ein Auszug aus dem Buch „Das elektrische Kochen“ von 1949. Gebot 4 rät dem Elektroherd-Nutzer beispielsweise das häufige Öffnen der Töpfe zu vermeiden, da ansonsten unnütz Wärme verloren geht.
Am Mittwoch ist alles fertiggestellt worden, die Ausstellung ist zur Eröffnung bereit. Doch leider bleiben die Türen vorerst bis zum 19. April geschlossen. „Natürlich ist es schade, dass die Eröffnung nicht stattfinden kann“, sagt Hannah Drissen, wissenschaftliche Volontärin. Insbesondere da die Sonderausstellung nur bis Ende November im Freilichtmuseum Hessenpark bleibt und dann nach Hamburg weiterzieht. „Aber Sicherheit geht vor“, ergänzt Drissen. Die Mitarbeiter haben für die ergriffenen Maßnahmen in jedem Fall Verständnis.

18. März 2020: Die Ereignisse überschlagen sich. In den letzten Tagen jagt eine neue Meldung rund um das Coronavirus die nächste. Auch auf das Freilichtmuseum Hessenpark hat die Pandemie Auswirkungen. Der Hessenpark bleibt auf Anordnung der Landesregierung zunächst bis einschließlich 19. April für Besucher geschlossen. Für diesen Zeitraum mussten leider alle Veranstaltungen abgesagt werden. Noch nicht einmal Hochzeiten finden statt.

Und mitten in diesem Organisationsstress, verursacht durch das Covid-19-Chaos, tauche ich auf. Als neue Volontärin im Bereich Kommunikation und Marketing hatte ich am Montag meinen ersten Arbeitstag. „Schön“, sagt die Pressesprecherin. Da würde ich gleich lernen, wie Krisenkommunikation funktioniert. Spaß beiseite. Viele Arbeitsprozesse müssen schließlich trotzdem weiterlaufen, insbesondere die Versorgung der Tiere aus dem Arche-Park. Dazu aber in den nächsten Tagen mehr.

An meinem ersten Tag habe ich einen selbstgebackenen Kuchen mitgebracht. Bereits während dem Backen am Vortag überlegte ich, wird sich überhaupt jemand ein Stück nehmen? Oder haben alle Angst vor dem Virus? Bereits die Vorstellungsrunde verlief ohne Händeschütteln und mit ausreichend Abstand zwischen allen Beteiligten. Trotz allem: Es ist wunderbar. Die Sonne scheint, die Blüten blühen, die Vögel zwitschern und mein Kuchen wurde von den Kolleginnen und Kollegen gegessen. So wurde das derzeit sehr begehrte Mehl auch nicht umsonst verbraucht. In der Mittagspause habe ich Grüne Soße mit Salzkartoffeln bei bestem Frühlingswetter genossen. Denn einige Betreiber der Geschäfte am Marktplatz öffnen weiterhin. Zum jetzigen Stand bleiben die Uhrmacher und das Bistro im Landhotel geöffnet. „In der aktuellen Situation entscheiden wir für jeden Tag neu“, berichtet Janina Vetter, Leiterin der Gastronomie. Trotzdem möchten sie den Menschen noch ein Ausflugsziel bieten. „Wenn auch nur im Freien und mit genügend Abstand“, so Vetter.
Aktualisierung: Ab dem 21. März hat das Bistro im Landhotel geschlossen, ab dem 24. März auch der Marktplatz des Freilichtmuseums.