Weben

Das Prinzip des Webens besteht in einer Verflechtung von längs verlaufenden Kettfäden und einem quer verlaufenden Schussfaden. Obwohl vor der Industrialisierung in sehr vielen ländlichen Haushalten Textilien für den Eigenbedarf hergestellt wurden, gab es daneben seit etwa 1680 berufsmäßige Weber. Diese produzierten im Heimgewerbe meist für Händler, welche die Leinwand aufkauften und auf Messen und Märkten weiter vertrieben. Wegen der meist vorhandenen kleinen Nebenerwerbslandwirtschaft waren die ländlichen Weber in Hessen von den Händlern wirtschaftlich nicht so stark abhängig wie etwa in Schlesien.

Der Lohn der Leineweber richtete sich allein nach der Absatzfähigkeit ihrer Produkte. Das Aufblühen des ländlichen Gewerbes und die Einfuhr des ostindischen Baumwollgewebes Kattune ließ zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Preise für Leinwand fallen. Dadurch verschlechterte sich die an sich schon bescheidene Lage der ländlichen Leinenweberei. Seit etwa 1850 bildete die aufkommende Maschinenweberei eine zusätzliche Konkurrenz für die Weber. Jetzt waren auch die letzten Handwerker gezwungen, in Lohnarbeit für kaufmännische Verleger zu arbeiten. So starb in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Beruf des Handwebers allmählich aus. Zwar behaupteten sich einige Weber noch bis zur Hochindustrialisierung. Sie beschränkten sich jedoch häufig auf die Herstellung gemusterter Stoffe, die erst später maschinell gewebt werden konnten.

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Standort im Hessenpark