Ackerflächen

Die Äcker im Museum werden nach dem Prinzip der Dreifelderwirtschaft bestellt. Diese Bewirtschaftungsform hat eine jahrhundertealte Geschichte und ist der Vorläufer der heutigen Fruchtfolgewirtschaft im Ackerbau. In der ursprünglichsten Form wurden die Felder in Winterfrucht, Sommerfrucht und Brache aufgeteilt, wobei der Aufwuchs der Brachflächen als Viehweide diente. Winterfrüchte sind Getreidearten, die im Herbst gesät und im Sommer des Folgejahres geerntet werden. Durch die lange Wachstumszeit liefern sie höhere Erträge und Qualitäten. Die Sommerfrüchte sind nicht winterhart und werden daher im Frühjahr ausgesät. Die Brachflächen wurden später auf geeigneten Böden als verbesserte Dreifelderwirtschaft mit Futterpflanzen oder Hackfrüchten bestellt, was den Ertrag steigerte und half, das Wildkraut zu reduzieren.

Da sich der Boden im Brachejahr durch den Wildkrautbewuchs und die organische Düngung über die Beweidung erholen konnte, war es möglich, die Dreifelderwirtschaft auf geringem Ertragsniveau nachhaltig zu betreiben. Als das Vieh später im Stall gehalten wurde, musste die organische Düngung in Form von Mist aufgebracht werden, um das System stabil zu halten. Ackerwildkräuter, die im modernen Ackerbau verschwunden sind, können auf unseren Feldern erhalten werden. Auch das verstehen wir im Freilichtmuseum als einen Beitrag zur Förderung gefährdeter Arten im Rahmen unseres Archeprojektes.

Unsere drei Feldfluren finden Sie auf den Wölbäckern, dem Mühlenacker vor der Windmühle aus Borsfleth und den Feldstücken rund um Terrassenäcker und Flachsröste. Die Schläge innerhalb dieser Fluren sind sehr klein und mit vielen verschiedenen Getreidearten, Hackfrüchten und Futterpflanzen bestellt. Diese kleinteilige Bewirtschaftung spiegelt die Verhältnisse in den Realteilungsgebieten Hessens wider. Durch dieses Erbsystem wurden die Flächen zunehmend zerstückelt, was die Bewirtschaftung stark erschwerte. Ein Schlag musste lediglich so breit sein, dass man mit einem Zugtiergespann darauf wenden konnte.

Auch im Ackerbau verwenden wir nach Möglichkeit alte Sorten, um deren Erhalt zu unterstützen. Beim Getreide lässt sich das leicht an der Halmlänge erkennen. Da sich das Getreide früher ohne Pflanzenschutzmittel gegen Unkräuter durchsetzen musste, waren hohe Bestände erwünscht. Das Stroh, das heute ein eher störendes Nebenprodukt des Getreideanbaus ist, war früher wertvolles Futtermittel und Rohstoff im ländlichen Leben.

Wölbäcker
Die Anlage von Wölbäckern wurde durch das regelmäßige beetweise Zusammenpflügen erreicht. So konnte auf schweren und feuchten Böden eine bessere Abtrocknung erreicht werden. Die Wölbäcker waren dadurch früher und leichter zu bearbeiten.