Synagoge aus Groß-Umstadt

Nachbau

Erbaut: um 1866
Abgebaut: 1979
Rekonstruiert: 1983 bis 1988

Der Nachbau der Synagoge aus Groß-Umstadt ist ein schlichter Massivbau. Unregelmäßig behauene Bruchsteine bilden die Außenwände einer nahezu quadratischen Grundfläche, das Dach wurde mit sogenannten Biberschwänzen gedeckt. An den Traufseiten wurden in Sandstein gefasste Rundbogenfenster eingelassen, den Eingangsgiebel schmückt ein Rosettenfenster. Über der Eingangstür ist eine hebräische Inschrift zu lesen, übersetzt lautet sie: WIE EHRFURCHT GEBIETEND IST DIESE STÄTTE; HIER IST NICHTS ANDERES ALS DAS HAUS GOTTES; UND HIER IST DIE PFORTE DES HIMMELS. Am Fenster der rechten Traufseite befindet sich eine weitere Inschrift: HAUS DES GEBETS ISRAEL. Vor dem großen Betraum im Erdgeschoss sind zwei kleine Vorräume und ein Treppenhaus angeordnet. Die kleinen Zimmer wurden als Schulräume, Gemeindezimmer, Leseraum, Bibliothek und für das Morgengebet genutzt. Die Treppe führt zur Frauenempore im Obergeschoss.

In Groß-Umstadt befand sich die Synagoge in der Unteren Marktstraße 38 und war umgeben von Hofanlagen und dem Stadtgefängnis. 1825 konnte die Jüdische Gemeinde das Grundstück einer ehemaligen Abdeckerei erwerben. Die Genehmigung für einen Neubau wurde jedoch erst 1866 erteilt. Am 21. Mai 1874 weihte der Landesrabbiner die Synagoge ein. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Gebäude der Synagoge nicht, wie viele andere, in Brand gesteckt. Es stand zu nah an den umliegenden Wirtschaftsgebäuden. Die Inneneinrichtung wurde jedoch vollständig zerstört. Unter Zwang musste die Jüdische Gemeinde im Dezember 1938 die Synagoge an den benachbarten Landwirt und Bürgermeister verkaufen. Dieser nutzte das ehemalige Gebetshaus lange Zeit als Schuppen. In den 1970er-Jahren entbrannte in Groß-Umstadt eine öffentliche Diskussion über den Umgang mit der ehemaligen Synagoge. Schließlich veranlasste der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters 1978 die Umsetzung in das Freilichtmuseum Hessenpark. 1979 begannen der Abbau und Abtransport der schon stark verfallenen Synagoge.

Für den Wiederaufbau im Freilichtmuseum stand nur ein Teil der originalen Bausubstanz zur Verfügung. Die Synagoge wurde baulich leicht verändert nach Plänen von 1866 wiedererrichtet. Fotografien, Abbildungen und andere Befunde für die Innenraumgestaltung und die Einrichtung fehlen völlig. Die Synagoge wird deshalb heute als Ausstellungsgebäude genutzt. In der Baugruppe Nordhessen befindet sich die wiedererrichtete dörfliche Synagoge aus mit rituellem Tauchbad (Mikwe), die aufgrund der guten Befundlage originalgetreu rekonstruiert werden konnte. Diese beiden Gebetshäuser stehen im hessischen Freilichtmuseum stellvertretend für viele ehemalige kleinstädtische und ländliche Synagogen und bewahren die Erinnerung an die Kultur und das Schicksal der Landjuden in Hessen.

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Standort im Hessenpark