Haus aus Schadeck

Erbaut: um 1700
Abgebaut: 1980
Wiedererrichtet: 1981

Regionale Siedlungs- und Bauformen waren nicht immer statisch. Vor allem Gebäude an den Ländergrenzen weisen häufig architektonische Einflüsse ihrer Nachbarregionen auf, wie das kleinstädtische Haus aus Schadeck bei Limburg (Westerwälder Raum) beweist. Hier ergänzen dekorative Elemente des rheinischen Fachwerks das ansonsten konstruktive Gefüge an der Schauseite in Form einer barocken Rautenfüllung und geschweifter Streben mit Nasen. Die auffallende Grünfärbung der Balken entspricht den Originalbefunden und ist wahrscheinlich auf den Zeitgeschmack zurückzuführen. Die Eckständer stehen bei dieser im mittelhessischen Raum weit verbreiteten Konstruktionsart direkt auf dem Sockel auf und wurden nicht in einen durchgehenden Schwellenkranz eingezapft.

Am alten Standort in der Schloßstraße in Schadeck war das Haus Rumpf Teil einer Hofanlage. Die Giebelwände konnten komplett übernommen werden, auf der Traufseite waren nur noch die Hölzer des Obergeschosses ohne Störungen. Ein Teil des Erdgeschosses wurde nach Befund und vergleichbaren Beispielen rekonstruiert. Eine kleine zweiläufige Podesttreppe führt in das Innere des zweigeschossigen Hauses, in dem ein Kramladen eingerichtet ist, wie er für viele Gemeinden und Kleinstädte um 1950 typisch war.

Zur Geschichte der Dorfläden

Die Anfänge der Dorfläden liegen noch im 19. Jahrhundert. Erst als nicht mehr alle Nahrungsmittel selbst produziert werden konnten und die Lohnarbeit zunahm, gewannen die Kramläden allmählich größere Bedeutung. Später nannten sich viele dieser Geschäfte Colonialwarenladen. Dort wurden ursprünglich vor allem Waren aus Übersee wie Zucker, Kaffee, Kakao, Reis, Gewürze und Tee verkauft. Der im Haus aus Schadeck untergebrachte Kramladen ist im Stil der 1950er-Jahre eingerichtet. Das Mobiliar wurde aus der früheren Nutzung übernommen, die Einrichtungsprinzipien entsprechen aber auch noch dem Zustand nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Nutzung eines Wohnraumes in einem Wohnhaus, niedrige Fenster, keine Schaufenster, nur wenige Reklameschilder, die Trennung von Käuferinnen und Verkäuferinnen durch den Tresen. Der Raum vor dem Tresen wurde als Lagerfläche für Ware in Säcken genutzt. Nicht nur das Warensortiment, sondern auch die Art des Einkaufens hat sich seit 1950 stark verändert. Wenn ein Kunde den Laden betrat, war die Türglocke über der Eingangstür das Zeichen für die Ladenbesitzerin, aus dem Nebenraum hinter die Theke zu kommen. Der Kunde wurde begrüßt und nach seinen Wünschen befragt. Viele Waren wurden lose angeboten, in spitze Tüten oder mitgebrachte Schüsseln gefüllt oder in Zeitungspapier gewickelt. Die Schürze der Frauen fungierte als Einkaufsbeutel. War man knapp bei Kasse, ließ man anschreiben. Im Einkaufsladen konnte man auch die Neuigkeiten des Dorfes erfahren.

Einen besonderen Hinweis in der Ausstellung verdient der Holzeisschrank, der aus der Zeit um 1900 stammt und bis nach dem Zweiten Weltkrieg benutzt wurde. Ein mit Zinkblech ausgeschlagener Behälter konnte das vom fahrenden Eishändler gelieferte Eis aufnehmen. Die Nutzung eines solchen Eisschrankes hing von der Einlagerung des Eises aus dem vergangenen Winter bis in den Sommer hinein ab.

Standort im Hessenpark