Von den fünf Baugruppen des Freilichtmuseums Hessenpark kommt der Baugruppe Marktplatz in mehrfacher Hinsicht eine Sonderrolle zu. Die meisten der hier gezeigten Gebäude stammen aus kleinen Städten des gesamten Bundeslandes Hessen, die selber einmal Marktrechte besessen haben. Stellvertretend bilden die Gebäude einen Marktplatz nach, auf dem regelmäßig Vieh-, Töpfer- oder Jahrmärkte und andere Veranstaltungen des Jahreskalenders abgehalten wurden.

Marktplätze waren schon im Mittelalter beliebte Begegnungs- und Versammlungsorte, die aufgrund ihrer zentralen Lage gut erreichbar waren. Viele der Plätze hatten auch eine juristische Funktion und dienten als Rechtsstätte. Zudem offenbarte sich hier in besonderer Weise das Beziehungsgeflecht zweier unterschiedlicher Lebenswelten: städtisch-kulturell geprägte Bürger kamen besonders an Markttagen mit der ländlich-bäuerlichen Bevölkerung in direkten (Handels-)Kontakt. Auch wenn das bunte Treiben auf diesen öffentlichen Plätzen überwiegend friedlich war, so liegen anderslautende Zeugnisse in Text und Bild vor: lautstarke Streitigkeiten zwischen uneinigen Handelspartnern inklusive Betrug und Diebstahl, ausufernder Alkoholgenuss, Raufereien sowie allgemeine Belästigungen durch Lärm, Verunreinigung und Gestank.