Blick auf den Dorplatz von oben. Rechts von der Mitte ist die Kirche aus Niederhörlen zu sehen.

Erbaut: 1656 bis 1658 
Abgebaut: 1974
Wiedererrichtet: 1974 bis 1978

Die Kirche ging ursprünglich aus einem Profanbau hervor, der schon im Dreißigjährigen Krieg zur Kapelle wurde. Die alte Glocke trägt die Jahreszahl 1626. 1775 wurde die Kirche um- und ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen auch der Spitzhelmdachreiter auf dem First und der heutige Altarraum. Der Anbau ist deutlich an den beiden Rundbogenfenstern zu erkennen, während das ursprüngliche Gebäude kleinere Fenster in unregelmäßiger Anordnung besitzt. Die von marmorierten Holzstreben gestützte Empore zeigt barocke Bildnisse von Evangelisten und Aposteln sowie Szenen aus dem Leben Jesu.

Die Kirche wurde für 60 bis 80 Personen gebaut und war bereits 1950 viel zu eng. Die Frauenbänke unten waren eine Tortur, die Männer oben stießen gegen die Decke, die Luft war oft unerträglich, so lauten lebhafte Erinnerungen eines Kirchenbesuchers. Deshalb wurden ab 1950 bis 1960 die Gottesdienste in das Dorfgemeinschaftshaus verlegt und ein Neubau an anderer Stelle geplant und durchgeführt.
Niederhörlen gehörte bis 1931 zum Kirchspiel Breidenbach, das bereits 1774  zehn Ortschaften umfasste. In Breidenbach fand jeden Sonntag Gottesdienst statt. Für den 7 km langen Weg brauchte man von Niederhörlen 1 ½ Stunden. Deshalb wurde zwei- bis dreimal im Jahr in Niederhörlen Gottesdienst mit Abendmahl an besonderen Feiertagen gehalten. Die Kirche aus Niederhörlen gehört zu den ersten Gebäuden, die im Freilichtmuseum Hessenpark wiedererrichtet wurden. Bereits 1974 fand die Grundsteinlegung statt.

Kirchhof
Der an der Kirche aus Niederhörlen gelegene Kirchhof ist keine Nachbildung einer wirklich vorhandenen Anlage, zeigt jedoch Merkmale historischer Begräbnisplätze. Die Grabdenkmäler geben einen Überblick über die Grabkultur der vergangenen 150 Jahre. Sie stammen von zwei Friedhöfen aus Christenberg und in Niederasphe. Auf den mit Gras bewachsenen Grabhügeln erinnern Grabmale aus den Materialien Holz, Stein und Gusseisen an die Verstorbenen. Ornamentale und florale Motive schmücken die Steine und Kreuze. Für den Blumenschmuck wurden Zier- und Heilpflanzen ländlicher Gärten verwendet wie Buchs, Efeu, Immergrün, Hauswurz, Rosmarin und Zitronenkraut. Die zuletzt genannten beiden stark duftenden Pflanzen sollten auch die Ausdünstungen neutralisieren.

Besonders bemerkenswert ist der Grabstein der Catharina Krieg. Er ist bemalt und mit einem roten Herz im oberen Bogenfeld geschmückt. Das Herz findet sich auf Grabdenkmälern verheirateter Frauen beziehungsweise steht es für die katholische Herz-Jesu-Verehrung, die auch in evangelischen Kreisen verbreitet war. Der Text auf dem Stein verrät uns, dass das Grabmal für drei Personen errichtet wurde: für Catharina Krieg, ihren Mann und ihren Freund. Freund bezeichnete in Hessen einen Verwandten. Für ein nicht verwandtschaftliches Verhältnis war die Benennung Freund nicht üblich.

Standort im Hessenpark